Zwei verschiedene Dinge auf einer Plattform
Auf LinkedIn gibt es zwei Wege, als Betrieb sichtbar zu sein. Das persönliche Profil gehört dir als Mensch: Du vernetzt dich mit anderen, schreibst Beiträge, kommentierst und bekommst Nachrichten. Die Unternehmensseite gehört dem Betrieb: Sie hat ein Logo, eine Beschreibung, Stellenangebote und Beiträge, die im Namen der Firma erscheinen.
Eine Unternehmensseite wird immer von einem persönlichen Profil aus angelegt und verwaltet. Die Frage ist also selten „entweder oder“, sondern: Wo steckst du deine begrenzte Zeit hinein?
Der Unterschied zeigt sich auch darin, wie Inhalte verbreitet werden. Einem persönlichen Profil folgen Menschen, mit denen du dich vernetzt hast, also Kunden, Lieferanten, frühere Kollegen und Bekannte. Einer Unternehmensseite folgen nur Menschen, die bewusst auf „Folgen“ geklickt haben. Gerade am Anfang ist dieses Publikum meist sehr klein, und es wächst nur langsam.
Warum das persönliche Profil meistens zuerst kommt
Bei kleinen Betrieben ist der Mensch hinter dem Betrieb oft der eigentliche Grund, warum Kunden kommen. Man ruft nicht „die Tischlerei“ an, sondern den Tischler, von dem man Gutes gehört hat. Auf LinkedIn ist es ähnlich: Menschen reagieren eher auf andere Menschen als auf Logos. Ein Beitrag mit Gesicht und persönlicher Sichtweise wird meist lieber gelesen und kommentiert als eine Firmenmeldung.
Dazu kommt: Mit dem persönlichen Profil kannst du aktiv Kontakte knüpfen, Vernetzungsanfragen schicken und in Kommentaren bei anderen mitreden. Eine Unternehmensseite kann das nur eingeschränkt. Sie wartet eher darauf, dass Leute ihr folgen.
Für Selbstständige, Einzelunternehmer und kleine Teams, in denen die Chefin oder der Chef das Gesicht des Betriebs ist, lautet die Empfehlung deshalb meist: zuerst das eigene Profil gut aufstellen und dort regelmäßig posten.
Wann eine Unternehmensseite sinnvoll ist
Trotzdem hat die Unternehmensseite ihren Platz. Sie lohnt sich vor allem in diesen Fällen:
Eine Seite, die angelegt und dann vergessen wird, schadet eher, als sie nützt. Wenn der letzte Beitrag lange zurückliegt, fragen sich Besucher, ob es den Betrieb noch gibt. Leg sie also nur an, wenn du sie zumindest gelegentlich pflegen willst.
- Mitarbeitersuche: Stellenangebote und Einblicke in den Betrieb wirken seriöser, wenn es eine Seite gibt, auf die man sich beziehen kann.
- Team auf LinkedIn: Mitarbeitende können den Betrieb als Arbeitgeber angeben, dann erscheint das Logo in ihren Profilen.
- Vertrauen: Wer deinen Firmennamen auf LinkedIn sucht, findet eine gepflegte Seite mit Beschreibung, Website und Standort.
- Firmenkunden: Wer viel mit Hausverwaltungen, Einkäufern oder anderen Betrieben zu tun hat, wird dort auch unter dem Firmennamen gesucht.
- Nachfolge oder Wachstum: Der Betrieb soll unabhängig von einer einzelnen Person wahrgenommen werden.
So kombinierst du beides ohne doppelte Arbeit
Viele kleine Betriebe fahren gut mit einer einfachen Aufteilung: Das persönliche Profil ist der Hauptkanal, die Unternehmensseite die Visitenkarte. Auf dem Profil erscheinen deine Gedanken, Erfahrungen und Einblicke. Die Seite bekommt seltener Beiträge, dafür eher offizielle Themen wie neue Leistungen, offene Stellen, Auszeichnungen oder Betriebsurlaub.
Wenn du auf der Unternehmensseite etwas veröffentlichst, kannst du es auf deinem Profil teilen und einen persönlichen Satz dazuschreiben. Umgekehrt verknüpfst du in deinem Profil unter Berufserfahrung die Seite. So führen beide Wege zueinander.
Verzichte darauf, denselben Text am selben Tag auf beiden Kanälen zu veröffentlichen. Wer dir und dem Betrieb folgt, sieht sonst alles doppelt, und das wirkt schnell lieblos.
Ein Beispiel aus einer Steuerberatung mit kleinem Team: Die Inhaberin schreibt auf ihrem Profil über Fragen, die Gründer ihr stellen, und über Änderungen, die ihre Mandanten betreffen. Die Unternehmensseite zeigt offene Stellen, neue Kolleginnen und den Hinweis auf geänderte Öffnungszeiten. Das Team teilt die Stellenbeiträge im eigenen Netzwerk. So hat jeder Kanal eine klare Aufgabe, und niemand muss doppelt schreiben.
Eine kurze Entscheidungshilfe
Wenn du unsicher bist, beantworte für dich diese Fragen:
Wenn die erste Frage mit „mich“ beantwortet wird und du nur für einen Kanal Zeit hast, konzentrier dich auf dein Profil. Wenn du Personal suchst oder dein Team auf LinkedIn sichtbar ist, leg zusätzlich eine schlichte Unternehmensseite an. Was davon besser ankommt, siehst du nach einigen Wochen in den Statistiken, die LinkedIn für Beiträge und Seiten anzeigt.
- Kennen deine Kunden vor allem dich persönlich oder vor allem den Firmennamen?
- Hast du Zeit für einen Kanal, der regelmäßig bespielt wird, oder für zwei?
- Suchst du gerade Mitarbeitende, Lehrlinge oder Azubis?
- Arbeiten mehrere Leute im Betrieb, die selbst auf LinkedIn aktiv sind?
Sonderfall: Praxen, Kanzleien und Beratung
Für Ärztinnen, Therapeuten, Apotheken, Steuerberaterinnen, Anwälte sowie Finanz- und Versicherungsberater gilt zusätzlich eigenes Berufs- bzw. Standesrecht. Das betrifft das persönliche Profil ebenso wie die Unternehmensseite. Keine Heilversprechen, keine Erfolgsversprechen und keine Fälle von Patienten oder Mandanten, auch nicht in einer Form, bei der man sie wiedererkennen könnte. Im Zweifel hilft die zuständige Kammer weiter.
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