Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an
Wie viel Zeit Social Media kostet, hängt von vielen Dingen ab: wie viele Kanäle du bespielst, wie oft du postest, ob du Fotos selbst machst, wie schnell du schreibst und wie viele Nachrichten und Kommentare hereinkommen. Eine seriöse Zahl, die für alle Betriebe gilt, gibt es deshalb nicht. Sei skeptisch bei Angaben, die ohne Quelle eine genaue Stundenzahl nennen.
Was sich aber sagen lässt: Der Aufwand ist fast immer größer, als man am Anfang denkt. Nicht, weil ein einzelner Beitrag so lange dauert, sondern weil viele kleine Schritte dazukommen, die man nicht einplant.
Wohin die Zeit wirklich geht
Wenn du deinen Aufwand verstehen willst, zerleg ihn in einzelne Schritte. Bei den meisten Betrieben sind es diese:
- Thema finden: überlegen, worüber du heute schreibst. Oft der Schritt, an dem alles hängen bleibt.
- Foto suchen oder machen: im Handy scrollen, ein passendes Bild finden, eventuell zuschneiden oder aufhellen.
- Text schreiben: die Bildunterschrift formulieren, umformulieren, Hashtags überlegen.
- Veröffentlichen: App öffnen, alles einfügen, Ort und Markierungen setzen, eventuell für einen zweiten Kanal anpassen.
- Reagieren: Kommentare und Nachrichten beantworten, die nach dem Beitrag hereinkommen.
- Drumherum: Unterbrechungen, das Hineindenken nach einer Pause, später noch einmal nachsehen, wie der Beitrag läuft.
Eine Beispielrechnung
Die folgende Rechnung ist ein ausgedachtes Beispiel, keine Messung und kein Durchschnitt. Sie soll nur zeigen, wie sich kleine Schritte summieren. Setz für dich deine eigenen Werte ein.
Angenommen, ein Betrieb postet drei Mal pro Woche auf Instagram. Pro Beitrag braucht er etwa zehn Minuten für die Themensuche, zehn Minuten für das Foto, fünfzehn Minuten für den Text und fünf Minuten fürs Veröffentlichen. Das sind vierzig Minuten pro Beitrag oder zwei Stunden pro Woche, ohne Kommentare und Nachrichten. Kommt LinkedIn dazu und muss jeder Text angepasst werden, wird es entsprechend mehr.
Am meisten Zeit kosten in diesem Beispiel nicht das Schreiben oder das Posten, sondern Themensuche und Fotosuche zusammen. Genau dort lässt sich meistens am meisten einsparen.
So reduzierst du den Aufwand realistisch
Diese Hebel helfen den meisten Betrieben, ohne dass die Qualität leidet:
- Bündeln statt täglich neu anfangen: Setz dich einmal pro Woche hin und bereite alle Beiträge der Woche vor. Das spart das ständige Hineindenken.
- Themenliste führen: Notier Ideen sofort, wenn sie dir einfallen, etwa im Handy. Dann fängst du nie bei null an.
- Fotovorrat anlegen: Mach nebenbei Fotos und sammle sie in einem eigenen Album. Die Fotosuche schrumpft auf einen Griff.
- Wiederkehrende Formate: Feste Formate wie „Frage der Woche“ oder „Werkstück der Woche“ nehmen dir die Entscheidung ab.
- Vorplanen: Viele Werkzeuge bieten an, Beiträge zeitgesteuert zu veröffentlichen. Dann musst du nicht zur richtigen Uhrzeit selbst daran denken.
- Weniger Kanäle, dafür regelmäßig: Lieber ein oder zwei Kanäle ordentlich als vier halbherzig.
- Feste Antwortzeiten: Kommentare und Nachrichten gesammelt zu festen Zeiten beantworten, nicht bei jeder Benachrichtigung.
Was du lieber nicht einsparst
Nicht jeder Schritt sollte wegrationalisiert werden. Ein kurzer Blick über jeden Beitrag, bevor er online geht, schützt dich vor falschen Angaben und Tippfehlern im Firmennamen. Auch das Beantworten von Fragen und Kritik ist Zeit, die sich meist lohnt, weil dort aus Interesse ein Auftrag werden kann.
Vorsicht auch bei vollautomatischen Lösungen, die ohne jede Kontrolle posten. Sie sparen Zeit, bis einmal ein Beitrag rausgeht, der nicht passt. Ein Mittelweg, bei dem vorbereitet wird und du nur noch prüfst und freigibst, ist für viele kleine Betriebe ein vernünftiger Kompromiss.
Den eigenen Aufwand messen
Wenn du wissen willst, wie viel Zeit Social Media bei dir tatsächlich kostet, schreib zwei, drei Wochen lang mit. Ein Zettel neben der Kasse oder eine Notiz im Handy reicht: Datum, was du gemacht hast, wie lange es gedauert hat.
Danach siehst du schwarz auf weiß, welcher Schritt am meisten Zeit frisst. Oft ist es nicht der Schritt, den man vermutet hätte. Setz genau dort an, statt überall ein bisschen zu sparen.
Und vergleich den Aufwand mit dem, was zurückkommt: Anfragen, Bewerbungen, Gäste, die sagen, dass sie dich auf Instagram gesehen haben. Frag neue Kundschaft einfach, wie sie auf dich gekommen ist. Das ist keine exakte Messung, gibt dir aber ein Gefühl dafür, ob sich die Zeit lohnt.
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